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Tierwirt /-in

Mit Schemel und Milchkanne ist heute kaum ein Tierwirt anzutreffen. Gemolken wird in vielen Betrieben halbautomatisch an Melkständen.

Die Tierwirtin Rebecca Harnack hockt am 05.10.2016 zwischen jungen Kälbern in Dannenberg nahe Bad Freienwalde (Brandenburg). Die Tierwirtin Rebecca Harnack ist beim Endausscheid des 32. Berufswettbewerbes der Deutschen Landjugend am 04.06.2016 in Rendsburg (Schleswig-Holstein) Bundessiegerin in der Sparte Tierwirte geworden. Foto: Patrick Pleul/dpa (zu dpa-KORR «Von wegen «doofe Kuh»» vom 26.10.2016) (c) dpa

Kein Arbeitstag vergeht für Lukas Schmidt ohne frische Luft und die Arbeit mit einer Herde Kühe. Der 20-Jährige hat seit seiner Kindheit einen Bezug zu Tieren. „Meine Eltern halten Kühe und Pferde“, erklärt er. Einen Schreibtischjob konnte er sich nie vorstellen. In seiner Freizeit reitet er leidenschaftlich gerne Dressur. Da ihn Kühe interessieren, ist er nun angehender Tierwirt in der Fachrichtung Rinderhaltung. Mit Schemel und Milchkanne ist heute kaum ein Tierwirt anzutreffen. Gemolken wird in vielen Betrieben halbautomatisch an Melkständen. In anderen Ställen muss gar nicht mehr selbst Hand angelegt werden. Schmidt arbeitet bei der RBB Rinderproduktion Berlin-Brandenburg. Seine Ausbildung findet in Kooperation mit der Lehr- und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung in Groß Kreutz im Westen von Brandenburg statt. Hier übernehmen vollautomatische Roboter das Melken. Ein Transponder, eine Art Funkgerät, an der Kuh speichert die Einstellungen, damit der Roboter passgenau am Euter sitzt. Die Maschinen werden von Tierwirten überwacht und gewartet. Andere Aufgaben sind weniger digitalisiert: „Auch das Ausmisten der Liegeboxen gehört zum festen Alltag im Kuhstall“, sagt Schmidt. Die RBB Rinderproduktion Berlin-Brandenburg beschäftigt sich auch mit der Zucht. Auch deshalb hat Schmidt sich für die Ausbildung in Groß Kreutz entschieden. Tierwirte arbeiten überall dort, wo Nutztiere gehalten werden. Schon vor der Ausbildung muss man sich für eine der fünf Fachrichtungen –Schäferei, Imkerei, Rinder-, Schweine- oder Geflügelhaltung – entscheiden. Die Ausbildung dauert drei Jahre, kann aber mit Abitur auf eineinhalb Jahre reduziert werden. Während der Ausbildung lernen Jugendliche, wie sie die jeweilige Tierart artgerecht halten. Dazu zählen etwa die Fütterung und Unterbringung, aber auch die Tierhygiene und Züchtung. Es geht aber auch um die rechtlichen Rahmenbedingungen des Tierschutzes. Die Digitalisierung macht auch vor dem Kuh- oder Schweinestall nicht Halt: „Der Beruf wird immer weiter technisiert“, erklärt Markus Bretschneider vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Mit moderner Technik werden etwa Bewegungsprofile von Kühen auf der Weide erstellt. Abweichungen von der Norm können auf Probleme hinweisen. Die Ausbildungsvergütung liegt laut dem Deutschen Bauernverband im ersten Ausbildungsjahr je nach Ort, Fachrichtung und Größe des Betriebs zwischen 550 und 700 Euro. Ab dem dritten Jahr sind es zwischen 650 und 800 Euro. Nach der Ausbildung haben Tierwirte gute Aussichten: Viele Absolventen werden übernommen, sagt Bretschneider. Lukas Schmidt über will noch Veterinärmedizin studieren. Die Ausbildung vermittelt seiner Meinung nach dafür sehr gute Grundlagen.

Autor: Christina Bicking (cc)