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Schuhfertiger /-in

Die beste Grundlage für eine berufliche Karriere in der Schuhindustrie

Als Schuhfertiger zu arbeiten bedeutet auch, lange zu stehen und mitunter Lärm und unangenehme Gerüche ertragen zu müssen. Quelle: panthermedia_robertprzybysz

250 Einzelteile und 140 Arbeitsschritte: Einen Schuh herzustellen, ist eine komplexe Angelegenheit. „Viele Menschen haben keine Vorstellung davon, was da dranhängt“, sagt Christa Deingruber vom Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie. Wer jeden einzelnen dieser Schritte beherrscht, darf sich Schuhfertiger nennen. Die dreijährige duale Ausbildung folge chronologisch der Herstellung eines Schuhs, erklärt Uwe Hartmann, Betriebs- und Ausbildungsleiter bei der Carl Semler Schuhfabrik im rheinland-pfälzischen Pirmasens. „Mir gefällt besonders die Vielfältigkeit der Arbeitsschritte und die Verarbeitung von Leder“, erzählt Phillip Burkhart, der im zweiten Jahr seiner Ausbildung bei Carl Semler ist. Angehende Schuhfertiger sollten motiviert, verantwortungsvoll, selbstständig und zuverlässig sein sowie eine kreative Ader mitbringen, sagt Dreingruber.

Handwerkliches Geschick und Sinn für Mode

Neben handwerklichem Geschick sei auch ein gewisses Verständnis für Mode gefragt. „Es hat mich schon immer interessiert, Schuhe zum machen“, erzählt Selina-Sophie Franz, ebenfalls Auszubildende bei Carl Semler. Besonders gefalle ihr die Arbeit in der Stepperei, wo die einzelnen Teile zusammengenäht werden. Manches fällt ihr schwerer als anderes. „Die großen Maschinen zu bedienen, ist nicht ganz so einfach“, erzählt die 20-Jährige. Christiane Reuter vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) schätzt die Berufsaussichten in der Industrie als gut ein – auch wenn es eine vergleichsweise kleine Branche ist. Doch die Aufstiegschancen sind sehr gut. „Die handwerkliche Ausbildung zum Schuhfertiger ist die beste Grundlage für eine berufliche Karriere in der Schuhindustrie“, erklärt Dreingruber. Viele Führungskräfte hätten als Schuhfertiger begonnen. Bei Carl Semler verdienen die Auszubildenden je nach Lehrjahr zwischen 710 und 830 Euro.

Flexibilität und Offenheit

Für die Ausbildung als Schuhfertiger ist formal kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis haben die meisten Azubis aber die mittlere Reife. Manche Unternehmen tun sich jedoch schwer, Nachwuchs zu finden, sagt Christiane Reuter. Denn der Job kann auch hart sein: Als Schuhfertiger zu arbeiten bedeute auch, lange zu stehen und mitunter Lärm und unangenehme Gerüche ertragen zu müssen. Da sich die Materialien und Techniken für Schuhfertiger ständig weiterentwickeln, ist am 1. August 2017 eine neue Ausbildungsordnung in Kraft getreten. Änderungen gab es vor allem im Bereich der Materialien, Fertigungsverfahren und der Vielfalt an Finish-Methoden, erklärt Reuter. Denn während die klassische Damen- und Herrenschuhmode stagniere, würde der Bereich der Sicherheits- und Sportschuhe immer wichtiger.  

Autor: Inga Dreyer (cc)